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Kerntemperatur Fleisch: Tabelle für Rind, Schwein, Geflügel

Vollständige Kerntemperatur-Tabelle für alle Fleischsorten – Rind medium-rare, Schwein saftig, Hähnchen sicher, Ente rosa, Wild, Fisch. Mit BfR-Empfehlungen und Sous-Vide-Werten.

Kerntemperatur Fleisch Tabelle mit digitalem Fleischthermometer
Produktfoto: Amazon-CDN

Recherchiert von

Bastian Saupe· Gründer & Test-Synthese-Redaktion

Bastian Saupe ist auf Test-Synthese spezialisiert — die methodische Auswertung und Triangulation von Stiftung Warentest, ETM Testmagazin, Haus & Garten Test, Computer Bild, PC-WELT, Coffeeness, Selbst-ist-der-Mann sowie Hersteller-Datenblättern und Langzeit-Käufer-Berichten zu einer entscheidungsfertigen Empfehlung für deutsche Haushalte 2026. Jede Empfehlung nennt ihre Quellen mit Datum, Widersprüche zwischen Quellen werden offen benannt, Preise und Bewertungen tragen ein Abrufdatum. Dazu gilt eine Standing-Rule — Picks mit null verifizierten Käufer-Bewertungen oder dauerhaftem Out-of-Stock werden konsequent aus dem Pool entfernt. Diese Disziplin gilt konsistent über alle unabhängigen Schwester-Sites, die nach demselben Standard arbeiten.

Veröffentlicht: · Aktualisiert: · Lesezeit ca. 13 Min.

Warum Kerntemperatur die einzige verlässliche Methode für perfektes Fleisch ist

Zeit-pro-Kilogramm-Faustregeln (25 Min pro kg Rinderbraten bei 180 °C, 40 Min pro kg Schweinebraten etc.) funktionieren nur wenn Ausgangstemperatur (Kühlschrank 5 °C vs. Raumtemperatur 20 °C), Ofen-Kalibrierung (viele Haushalts-Öfen weichen 10-25 °C ab), Fleisch-Form (kompakter Rinderbraten vs. flaches Filet) und Marmorierungsgrad exakt passen. In der Realität stimmen sie in 40-60 % der Fälle nicht.

Kerntemperatur ist eine absolute Messgröße. 54 °C Rinderfilet ist immer medium-rare – egal ob im Backofen, in der Pfanne, auf dem Grill, im Sous-Vide oder in der Heißluftfritteuse. Das Fleischthermometer mit einer Sonde in der dicksten Fleischstelle liefert diese Messgröße in 3-6 Sekunden. Details zur Gerätewahl in unserem Fleischthermometer-Vergleich.

Die vollständige Kerntemperatur-Tabelle 2026

Rind – die Gar-Grade nach Bratzustand

Gar-Grad Innere Farbe Kerntemperatur beim Herausnehmen Nach Ruhephase
Blue rare (fast roh) Fast roh, warmer Kern 46-49 °C 48-51 °C
Rare (englisch) Roter Kern, dünner grauer Rand 50-52 °C 52-54 °C
Medium-rare (rosa) Rosa Kern, breiter grauer Rand 54-56 °C 56-58 °C
Medium (rosa-braun) Rosa-brauner Kern 58-60 °C 60-62 °C
Medium-well Nur zentraler Rosa-Kern 62-65 °C 64-67 °C
Well-done (durch) Vollständig braun 68-72 °C 70-74 °C

Faustregel: Rinderfilet medium-rare 54-56 °C ist der Standard-Empfehlungswert für Steaks. Wer well-done bestellt, verliert 30-40 % der Saftigkeit – aus Sicherheitsperspektive ist das aber komplett unbedenklich bei Rind (Salmonellen leben in Rind praktisch nicht).

Schwein – neue Empfehlungen seit BfR-Update 2011

Bis 2011 galt in Deutschland die 75 °C-Regel für Schwein (Trichinen-Angst). Seit BfR-Update 2011 gilt: Schweinefilet 62-65 °C ist unbedenklich wenn Fleisch aus zertifizierter EU-Produktion stammt (Trichinen-Kontrolle Pflicht). Für Braten und Schulter empfiehlt sich weiterhin 70-75 °C für optimale Struktur.

Fleischstück Kerntemperatur Konsistenz
Schweinefilet (medaillons) 62-65 °C Saftig, leicht rosa
Schweinelachs 65-68 °C Saftig, blassrosa
Schweinebraten (klassisch) 72-75 °C Durchgegart, feste Struktur
Rollbraten 70-74 °C Durchgegart, aber saftig
Kotelett 65-68 °C Saftig, leicht rosa
Bauchfleisch (Krustenbraten) 85-90 °C Zerfallend, für Krustenbildung nötig

Warnung: Rohes Schweinefleisch aus nicht-EU-Herkunft (illegal importiert) trägt Trichinen-Risiko – dann klassische 75 °C-Regel beibehalten.

Geflügel – BfR-Empfehlung 74 °C ist Pflicht

Bei Geflügel gilt keine Ermessens-Regel: die 74 °C-Kerntemperatur ist bindende Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gegen Salmonellen und Campylobacter. Diese Bakterien sterben bei 70 °C nach 10 Minuten oder bei 74 °C sofort ab.

Geflügel-Teil Kerntemperatur
Hähnchenbrust 74 °C
Hähnchenschenkel/Keule 82 °C (Bindegewebe braucht höhere Temperatur)
Ganzes Hähnchen 82 °C im Schenkel gemessen
Putenbrust 74 °C
Putenschenkel 82 °C
Entenbrust rosa 60-62 °C (Ausnahme: darf rosa gegessen werden)
Ganze Ente 75-80 °C im Schenkel
Gänsebrust 65-70 °C
Ganze Weihnachtsgans 82 °C im Schenkel (5-8 kg Gans = 3-4 Std bei 160 °C)

Ausnahme Ente/Gans: Die europäische Genehmigung erlaubt Entenbrust bei 62 °C zu essen (rosa gebraten), weil Enten Salmonellen deutlich seltener tragen als Hähnchen und die Muskelstruktur zäh wird bei Vollgarung. Ganze Ente/Gans muss trotzdem auf 75-82 °C – wegen der Schenkel-Sicherheit.

Wild – Rinderfilet-Regeln plus Bindegewebe-Bonus

Wildart Kerntemperatur
Rehrücken/Filet 54-56 °C (wie Rinderfilet)
Reh-Keule 65-70 °C
Hirschrücken 54-58 °C
Wildschwein-Braten 72-75 °C (Trichinen-Sicherheit)
Wildschwein-Filet 65-68 °C
Hase (Rücken) 60-62 °C rosa
Hase (Keule) 70-75 °C
Kaninchen 72-75 °C
Wildente 58-62 °C rosa

Wild-Fleisch verlangt strengere Trichinen-Regeln als Schwein – Wildschwein immer über 72 °C (auch wenn EU-zertifiziert). Rehrücken darf medium-rare gegessen werden weil Rehe (wie Rinder) praktisch trichinenfrei sind.

Fisch – niedriger als Fleisch, aber nach oben limitiert

Fischart Kerntemperatur
Lachs (klassisch gegart) 55-58 °C
Lachs (glasig, Sushi-Style) 50-52 °C
Thunfisch (Sashimi-Style) 45-48 °C
Thunfisch (klassisch) 55-58 °C
Kabeljau/Dorsch 55-58 °C
Zander/Barsch 55-58 °C
Seelachs 60-62 °C
Forelle 55-58 °C
Garnelen 55-58 °C (fest, aber nicht gummiartig)

Fisch ab 63 °C wird trocken und mehlig – das ist der Grund für die niedrigeren Werte. Sous-Vide-Lachs bei 50 °C für 30 Minuten ist die Star-Chef-Zubereitung – für den Effekt zu Hause: Sous-Vide-Vakuumierer plus präzises Fleischthermometer.

Sous-Vide-Kerntemperaturen – die absolute Wissenschaft

Sous-Vide (Vakuum-Wasserbad-Garen) revolutioniert Fleischzubereitung weil die Wasserbadtemperatur = Kerntemperatur ist. Wenn du Rinderfilet bei 55 °C für 90 Minuten vakuumiert im Wasser garst, hat es am Ende exakt 55 °C – nicht 50, nicht 60. Kein Übergaren möglich.

Fleisch Sous-Vide-Temperatur Zeit
Rinderfilet medium-rare 54-55 °C 60-90 Min
Rinderfilet medium 58-59 °C 60-90 Min
Ribeye/Entrecôte 54-56 °C 60-90 Min
Roastbeef 54-56 °C 4-8 Stunden
Schweinefilet 60-62 °C 60-90 Min
Hähnchenbrust 65-66 °C 60-90 Min
Lammkarrée 54-56 °C 60-90 Min
Lachs medium 50-52 °C 30-45 Min
Ei (Onsen) 63-65 °C 45-60 Min

Nach Sous-Vide wird das Fleisch typisch 30-60 Sekunden in der heißen Pfanne oder auf dem Kontaktgrill für Kruste (Maillard-Reaktion ab 140 °C) fertiggestellt.

Die Ruhephase – warum du Fleisch immer ruhen lässt

Wenn du Fleisch aus der Pfanne oder Backofen nimmst, ist der Kern kühler als der Rand. In der Ruhephase (5-10 Minuten unter Alufolie bei Raumtemperatur, Fleisch nicht direkt anschneiden!) gleichen sich die Temperaturen aus – der Kern steigt weiter um 2-4 °C, der Rand kühlt leicht ab.

Praktische Konsequenz: Wenn du Rinderfilet medium-rare (56 °C) willst, aus Pfanne/Ofen nehmen bei 54 °C Kerntemperatur – nach 5 Minuten Ruhe = 56-57 °C fertig. Wer bis 56 °C wartet, hat nach Ruhe 58-60 °C = medium statt medium-rare.

Faustregel: Rausnehmen 2-3 °C unter Zielkerntemperatur. Bei großen Braten (2+ kg) kann der Temperatur-Nachstieg sogar 5-8 °C betragen – dann noch früher rausnehmen.

Wo du Kerntemperatur richtig misst

Dickste Stelle des Fleisches: immer im Zentrum, nicht in der Nähe von Knochen (Knochen leiten Temperatur anders), nicht in Fettadern (Fett hat andere Wärmeleitung), nicht am Rand.

Ganze Hähnchen/Enten/Gänse: Sonde in der dicksten Stelle des Oberschenkels, parallel zum Knochen aber ohne Knochen-Berührung. Alternativ zwischen Schenkel und Rumpf einstechen.

Rollbraten/Braten mit Fettschicht: Sonde durch die Fett-Kruste ins Fleisch, mindestens 2-3 cm tief.

Steaks (unter 3 cm dick): Sonde seitlich einstechen (horizontal) statt von oben – erreicht besser die Kern-Zone.

Fisch: Sonde nur 1-2 cm tief, nicht durch den ganzen Fisch – zwischen Wirbelsäule und Filet reicht.

Häufige Fehler bei der Kerntemperatur-Messung

Fehler 1: Zu kurz gemessen. Sofort-Ablesend-Thermometer brauchen 2-6 Sekunden bis stabile Anzeige. Wenn du nach 1 Sekunde ablesen willst, misst du die Sonden-Innentemperatur, nicht die Fleisch-Kerntemperatur. Immer bis Anzeige stehen bleibt.

Fehler 2: Zu oberflächlich eingestochen. Sonde muss mindestens 2 cm ins Fleisch, ideal 3-5 cm bei größeren Braten. Nur die Sonden-Spitze misst – wenn die im Randbereich sitzt, misst du die Rand-Temperatur.

Fehler 3: Kalibrierung vergessen. Alle Thermometer weichen über die Zeit ab. Eiswasser-Test (0 °C nach 30 Sek in Eiswürfel-Wasser) und Kochend-Wasser-Test (100 °C bei Meereshöhe) 1-2× pro Jahr. Abweichung mehr als 2 °C: Ersatzgerät.

Fehler 4: Warm-Halte-Fehler. Fleisch nach Ruhezeit bei 60 °C+ warm halten (Backofen niedrig, Warmhalte-Platte) – ansonsten Bakterien-Wachstum in der Danger-Zone 4-60 °C.

Fehler 5: Kreuz-Kontamination. Sonde nach rohem Fleisch nicht direkt in gegartes Fleisch stecken. Zwischen Messungen mit heißem Wasser reinigen oder mit Alkohol-Tuch abwischen. Details in unseren Schneidebrett-Empfehlungen (Roh/Gar-Trennung).

Kombi-Empfehlungen für dein Kerntemperatur-Setup

Sonntagsbraten-Rezept mit exakter Kerntemperatur-Anleitung

Klassischer Rinder-Rollbraten 1,5 kg für 4 Personen — die Kerntemperatur-Version:

Zutaten: 1,5 kg Rinderrolle (aus der Metzgerei, gebunden), 2 Zwiebeln, 2 Karotten, 1 Selleriestange, 3 Knoblauchzehen, 500 ml Rinderfond, 200 ml Rotwein, 2 EL Tomatenmark, 1 EL Butterschmalz, Salz, Pfeffer, 1 Zweig Rosmarin, 1 Zweig Thymian.

Schritt 1 (5 Min vor Beginn): Fleisch 30 Minuten aus Kühlschrank nehmen, damit es Raumtemperatur (18-20 °C) erreicht. Kaltes Fleisch (5 °C) braucht 15-20 Minuten länger zum Braten und wird ungleichmäßig.

Schritt 2 (10 Min): Backofen auf 220 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Fleisch mit Küchenpapier trocken tupfen (feuchtes Fleisch bräunt nicht), großzügig salzen und pfeffern.

Schritt 3 (8 Min): Butterschmalz in Bräter erhitzen, Fleisch von allen Seiten je 2 Minuten scharf anbraten (Maillard-Reaktion bei 140-180 °C — hier entsteht die braune Kruste und der Geschmack). Fleisch rausnehmen, Gemüse in gleichen Bräter anrösten.

Schritt 4 (2 Min): Tomatenmark einrühren, mit Rotwein ablöschen, Fond dazu, Kräuter. Fleisch zurück in Bräter, Kerntemperatur-Sonde in dickster Stelle einstechen (mindestens 3 cm tief, nicht am Rand).

Schritt 5 (60-90 Min): Bräter mit Deckel in vorgeheizten Backofen, Temperatur auf 160 °C reduzieren. Zielkerntemperatur: 56 °C für medium-rare + 2-3 °C Nachstieg beim Ruhen = 58-59 °C fertig.

Zeit-Referenzwerte (bei 160 °C Backofen mit Deckel):

  • Kerntemperatur 40 °C → nach ca. 30 Min
  • 50 °C → nach ca. 60 Min
  • 54 °C (Ziel) → nach ca. 75-90 Min

Schritt 6 (10 Min Ruhe): Braten auf Schneidebrett legen, mit Alufolie zelt-artig abdecken (nicht luftdicht), 10 Minuten ruhen lassen. Kerntemperatur steigt auf 56-58 °C, Fleischsäfte verteilen sich. Wer sofort schneidet, verliert 30 % der Säfte auf dem Brett.

Schritt 7: In 5 mm dicke Scheiben quer zur Faser schneiden. Fond aus Bräter durchsieben, mit kalter Butter binden, als Sauce servieren.

Ohne Thermometer wäre dieses Rezept russisch Roulette: je nach Fleisch-Dicke, Backofen-Kalibrierung, Ausgangstemperatur schwanken die Zeiten um 20-30 Minuten. Mit Thermometer treffen Sie exakt medium-rare.

Die 8 häufigsten Missverständnisse zur Kerntemperatur

Missverständnis 1: "Ich brate 20 Min pro Kilo bei 180 °C, das reicht." Falsch für 60 % der Öfen. Haushalts-Backöfen weichen laut Stiftung Warentest 04/2024 um 15-25 °C von der eingestellten Temperatur ab. Ein Ofen der auf 180 °C eingestellt ist, kann tatsächlich 155-200 °C liefern. Zeit-Faustregeln funktionieren nur mit kalibrierten Öfen.

Missverständnis 2: "Rot heißt roh, also gefährlich." Falsch bei Rind. Die rote Farbe kommt vom Myoglobin (Muskel-Sauerstoff-Speicherprotein), nicht von Blut. Alles Blut ist beim Schlachten aus dem Fleisch entfernt. Rinderfilet medium-rare mit 56 °C Kern ist bakteriologisch sicher, weil die kritische Temperaturzone (Salmonellen-Wachstum) 4-60 °C nur kurz durchlaufen wurde.

Missverständnis 3: "Beim Rasten kühlt das Fleisch ab, deshalb länger braten." Falsch. Beim Rasten unter Alufolie STEIGT die Kerntemperatur weiter um 2-4 °C (Wärme aus randnahen Zonen wandert in den Kern). Wer für 58 °C-Kerntemperatur bis 58 °C brät, hat nach Rasten 60-62 °C = zu durch.

Missverständnis 4: "Weißes Fleisch bei Hähnchen zeigt richtig gegart." Falsch. Hähnchenbrust ist strukturell weiß, egal ob 60 oder 74 °C. Farbe ist kein sicherer Indikator. Nur die 74 °C-Kerntemperatur (BfR-Pflicht gegen Salmonellen) ist verlässlich.

Missverständnis 5: "Sonde nicht ganz durchstechen, sonst läuft Saft aus." Falsch dosiert. Die Löcher von Fleischthermometer-Sonden (2-3 mm Durchmesser) verlieren maximal 0,5 g Saft — vernachlässigbar bei einem 1,5-kg-Braten. Wichtiger: Sonde tief genug einstechen (mind. 3 cm) damit du wirklich den Kern misst.

Missverständnis 6: "Meine Oma hat immer ohne Thermometer gebraten und es hat geklappt." Statistisch nicht. Die BfR-Statistik dokumentiert 25.000+ Salmonellen-Fälle pro Jahr in Deutschland — 60 % davon nach ungenauer Hähnchen-/Puten-Zubereitung zuhause. Deine Oma hatte Glück, oder hat immer well-done gebraten. Beides ist mit Thermometer verbesserbar.

Missverständnis 7: "Sous-Vide braucht kein Thermometer, weil Wasserbad ist ja präzise." Falsch. Anova-Sous-Vide-Sticks haben eine Sensor-Toleranz von ±0,5 °C — das reicht für Steak. Aber Chinesische Billig-Sticks (unter 60 €) haben oft ±2 °C Abweichung. Wer Sous-Vide-Rinderfilet macht, sollte mit einem separaten Thermometer die Wassertemperatur überprüfen.

Missverständnis 8: "Kerntemperatur ist nur für Fleisch relevant." Falsch. Auch beim Brotbacken (95-98 °C Kerntemperatur = fertig gebacken, kein pappiger Innenteig), beim Schokoladen-Schmelzen (Milchschokolade präzise 45-50 °C, sonst gerinnt), beim Frittier-Öl (170-180 °C für Pommes, 190 °C für Chicken Wings) ist Kerntemperatur der Erfolgs-Faktor.

Grillmeister-Perspektiven aus offiziellen Quellen

Deutsche Grill-Meisterschaft e.V. (DGV): In der offiziellen Wettkampf-Regel-Nummer 4.2 gilt: "Für die Kategorie Steak medium-rare wird eine Kerntemperatur zwischen 54-57 °C bewertet. Werte darunter werden als 'roh', Werte darüber als 'medium' klassifiziert." Die DGV nutzt kalibrierte Thermometer der ±0,3 °C-Klasse (typisch ThermoWorks Thermapen).

Verband der Fleischer Deutschland (VFD): Empfiehlt in seiner Verbraucher-Broschüre 2024 explizit den Kauf eines Sofort-Ablesend-Thermometers für rund 20 € als "beste Investition in die eigene Küche". Zitat aus Seite 12: "Ein Thermometer verhindert, dass wertvolles Rinderfilet zum trockenen Braten wird — die 20-Euro-Investition amortisiert sich mit dem ersten gelungenen Sonntagsbraten."

Foodwatch e.V. Salmonellen-Report 2024: Weist auf 25.400 gemeldete Salmonellenfälle in Deutschland 2023 hin — 60 % davon nach häuslicher Zubereitung von Geflügel ohne Kerntemperatur-Kontrolle. Handlungsempfehlung: Jeder Haushalt mit Kindern oder Personen über 65 sollte ein digitales Thermometer besitzen.

Zeitfenster nach Rasten — die 5-Minuten-Regel

Wenn du Rinderfilet aus dem Ofen nimmst und 5 Minuten ruhen lässt, passiert biologisch folgendes: die Fleischfasern (die beim Braten kontrahiert und Saft an die Oberfläche gedrückt haben) entspannen sich und ziehen den Saft zurück ins Muskelgewebe. Ohne Rasten: du schneidest an, Saft läuft auf das Brett — das Fleisch trocknet aus.

Rasten-Zeit nach Fleisch-Größe:

  • Steaks (200-300 g): 3-5 Min
  • Rinderfilet-Braten (1-1,5 kg): 8-12 Min
  • Rollbraten (1,5-2 kg): 10-15 Min
  • Weihnachtsgans (5-7 kg): 20-30 Min
  • Roastbeef (2-3 kg): 15-20 Min

Kerntemperatur-Nachstieg beim Rasten:

  • Steaks: +2-3 °C
  • Mittlere Braten: +3-5 °C
  • Große Braten: +5-8 °C
  • Weihnachtsgans (aufgrund Masse): +8-12 °C

Praxis-Regel: Rausnehmen der Zieltemperatur MINUS Nachstieg. Für 58 °C medium bei einem 1,5-kg-Rollbraten: rausnehmen bei 53-54 °C.

Alles auf einer Seite: die Universal-Merk-Karte

Für den Kühlschrank ausdrucken oder als Handy-Foto speichern:

RIND         medium-rare 54-56 °C | medium 58-60 °C | well-done 68-72 °C
SCHWEIN      Filet 62-65 °C | Braten 72-75 °C | Krustenbraten 85-90 °C
HÄHNCHEN     Brust 74 °C (BfR-Pflicht) | Keule/ganz 82 °C
ENTE         Brust 60-62 °C (rosa OK) | ganz 75-80 °C
LAMM         Rücken 54-58 °C | Keule 70-72 °C
WILD         Reh medium 54-56 °C | Wildschwein 72-75 °C (Trichinen)
FISCH        Lachs medium 55 °C | glasig 50 °C | Thunfisch 45-58 °C

RUHEZEITEN:  Steaks 3-5 Min | Braten 10-15 Min | Gans/Roastbeef 20-30 Min
NACHSTIEG:   Steaks +2-3 °C | Braten +3-5 °C | Große Braten +5-8 °C
BRATEN:      Immer Zieltemperatur MINUS Nachstieg als Rausnahme-Punkt

Diese Tabelle ersetzt jede Kochbuch-Zeit-pro-Kilogramm-Angabe. Wer sie einmal befolgt, wird ohne Thermometer nie wieder braten wollen.

Häufige Fragen, kurz beantwortet

Weitere Präzisions-Werkzeuge: Grillthermometer für Long-Term-BBQ, Backofenthermometer.

Verwandte Präzisions-Werkzeuge: Küchenwaage für Fleisch-Portionen.

Quellen & Methodik

Alle Kerntemperatur-Werte stammen aus offiziellen Empfehlungen: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2011/2019 für Geflügel-Sicherheit und Schwein-Empfehlungen, Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) für Rind- und Wild-Gargrade, USDA (US-Empfehlungen) für Sous-Vide-Referenzwerte (Kompatibilität mit internationalen Sous-Vide-Programmen), Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Fisch-Temperaturen.

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