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Für die meisten Haushalte: nein – so sieht es das Umweltbundesamt. Sinnvoll wird eine Kanne in wenigen, klar benennbaren Fällen.
Die Begründung des Amts steht in seinem Ratgeber „Trink was – Trinkwasser aus dem Hahn“, Ausgabe vom Februar 2020. Eine zusätzliche Reinigung oder Behandlung des Trinkwassers im Haushalt „ist nicht notwendig“, heißt es dort. In Filtern, die nicht regelmäßig getauscht werden, könnten sich Bakterien vermehren. Stoffe, die ein Filter oder Ionenaustauscher angereichert hat, könnten bei Überladung wieder ins Wasser gelangen, laut UBA „sogar in höheren Konzentrationen“. Deshalb rät das Amt von der Verwendung solcher Geräte ab. Die Verbraucherzentrale kommt auf ihrer Seite zu Wasserfiltern, zuletzt am 07.08.2026 aktualisiert, zum gleichen Ergebnis: Aus gesundheitlicher Sicht sei ein Filter in der Regel nicht notwendig, auch Kleinkinder und Kranke bräuchten kein gefiltertes Wasser.
Eine Präzisierung gehört an den Anfang, weil sie in vielen Texten zum Thema fehlt. Eine eigene Stellungnahme des Umweltbundesamts speziell zu Tischwasserfiltern oder Filterkannen haben wir nicht gefunden. Die Aussagen des Amts betreffen „Geräte“ und „Filter“ im Haushalt allgemein. Sie treffen die Kanne trotzdem, denn auch sie arbeitet mit Ionenaustauscher und Aktivkohle, also genau mit den Materialien, deren Überladung das UBA beschreibt.
Dieser Ratgeber legt die Zahlen nebeneinander, auf denen das Urteil beruht. Wie gut hält Leitungswasser die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung 2023 ein? Was passiert chemisch in einer Kartusche, und wie lange funktioniert das? Ab welcher Härte, gemessen in Grad deutscher Härte (°dH) oder Millimol pro Liter (mmol/l), wird Kalk überhaupt zum Thema? Warum hilft eine Kanne bei Blei nicht, was ist an den PFAS-Angaben der Hersteller belegt, wie viel Silber gelangt ins Wasser, und wie schneidet Leitungswasser in der Ökobilanz ab? Am Ende stehen drei Situationen, in denen eine Filterkanne trotzdem Sinn ergibt. Produktempfehlungen enthält der Text bewusst nicht; Modelle mit Datenblättern und Literpreisen stehen im Vergleich der Filterkannen mit Labordaten.
Zur Quellenlage: Alle Angaben stammen aus Gesetzestexten, Behördenberichten, Normenregistern, Testberichten und Herstellerseiten, abgerufen am 12.10.2026. Herstellerangaben sind als solche benannt. Was nur über eine Drittquelle belegt ist, steht mit dem Hinweis „sekundär“ im Text. Wo sich Quellen widersprechen, nennen wir beide Werte.
Über 99 Prozent eingehalten: was der Trinkwasserbericht des Umweltbundesamts misst
Grundlage fast jeder Aussage über die Qualität von Leitungswasser in Deutschland ist der Bericht, den das Umweltbundesamt für jeweils drei Jahre vorlegt. Der aktuelle umfasst die Jahre 2020 bis 2022 und erschien als Heft 03/2025 der Reihe „Umwelt & Gesundheit“. Er wertet die großen Wasserversorgungsgebiete aus: jene, in denen mehr als 1.000 Kubikmeter Wasser pro Tag abgegeben oder mehr als 5.000 Personen versorgt werden. 2022 waren das 2.507 Versorgungsgebiete mit 74,1 Millionen Menschen, also 88,6 Prozent der Bevölkerung. Insgesamt flossen dort 4.443,12 Millionen Kubikmeter Trinkwasser.
Woher dieses Wasser stammt, bestimmt mit, welche Stoffe darin überhaupt vorkommen können. Laut Bericht entfallen 67,6 Prozent auf Grundwasser, 15,9 Prozent auf Oberflächenwasser, 7,8 Prozent auf Uferfiltrat und 8,7 Prozent auf angereichertes Grundwasser. Für alle Herkünfte gelten am Ende dieselben Anforderungen: die der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) von 2023.
Das Kernergebnis des Berichts lautet: Bei den meisten Parametern werden die Anforderungen der Verordnung zu über 99 Prozent eingehalten. Überschreitungen in mehr als 1 bis 3 Prozent der Untersuchungen gibt es nur bei einzelnen Pestizid-Wirkstoffen. Bei Escherichia coli, kurz E. coli, einem Anzeiger für fäkale Verunreinigung, liegt die Einhaltungsquote laut Tabellenwert bei 99,98 Prozent. Die Nitrat-Überschreitungen sind über zwei Jahrzehnte stark gefallen: von 1,1 Prozent der Untersuchungen im Jahr 1999 über 0,13 Prozent im Jahr 2004 auf 0,03 Prozent im Jahr 2022. Für den Berichtszeitraum nennt das UBA Werte zwischen 0,01 und 0,04 Prozent.
Der Vorgängerbericht für 2017 bis 2019 kam zu einem ähnlichen Bild. Die Stiftung Warentest fasste ihn im Juli 2021 so zusammen (sekundär über test.de): über 99 Prozent gute bis sehr gute Qualität, große Versorger beliefern 88 Prozent der Bevölkerung, von 349 untersuchten chemischen Stoffen fielen vier Pestizide auf, mit rund 1 Prozent der Proben über dem Grenzwert.
Coliforme Bakterien: 1,2 oder 31,1 Prozent?
Bei einem Parameter widersprechen sich zwei Veröffentlichungen desselben Amts. Coliforme Bakterien sind eine Bakteriengruppe, die bei der Trinkwasserkontrolle als Hygieneanzeiger dient. Der Bericht nennt in seiner Zusammenfassung, dass die Anforderungen an diesen Parameter in bis zu 1,2 Prozent der Untersuchungen nicht erfüllt wurden. Bei der Calcitlösekapazität, einem Maß dafür, wie viel Kalk das Wasser noch lösen kann, waren es bis zu 2,9 Prozent. Tabelle 8 des Berichts listet für das Berichtsjahr 2020 genau 113.174 Untersuchungen auf coliforme Bakterien mit 987 Nichteinhaltungen. Davon waren 74 auf die Trinkwasserinstallation im Gebäude zurückzuführen. Das entspricht einer Einhaltung von 99,13 Prozent.
Die UBA-Webseite „Daten zur Trinkwasserqualität“ nennt im Zusammenhang mit coliformen Bakterien für 2022 dagegen die Zahl 31,1 Prozent, bezogen auf „die im Wasserwerk und Rohrnetz genommenen Proben“, und schreibt zugleich, am Wasserhahn seien über 99,9 Prozent der Proben unauffällig gewesen. Wie die 31,1 Prozent gemeint sind, erschließt sich aus der Seite nicht, mit der Nichteinhaltungsquote im Bericht sind sie nicht vereinbar. Wir rechnen mit der Berichtszahl und nennen die Abweichung, statt sie zu glätten.
Was der Bericht nicht abdeckt
Zwei Lücken sind für die Filterfrage wichtiger als jede Prozentzahl. Erstens erfasst der Bericht nur die großen Versorgungsgebiete. Die übrigen gut 11 Prozent der Bevölkerung, die über kleinere Anlagen oder eigene Brunnen versorgt werden, tauchen in diesen Quoten nicht auf. Zweitens endet die Aussagekraft vieler Daten am Hausanschluss. Die Stiftung Warentest hat ihren Hintergrundartikel zum Thema deshalb „Die letzten Meter zählen“ überschrieben. Der Bericht selbst stellt fest, dass Überschreitungen beim Blei meist am Wasserhahn gemessen werden und auf verbliebene Bleileitungen oder ungeeignete Armaturen im Gebäude hindeuten.
Das ist der Punkt, an dem eine Filterkanne ins Spiel kommen könnte, und zugleich der Punkt, an dem Behörden am deutlichsten von ihr abraten. Darauf geht der Abschnitt zu Blei weiter unten ein.
Grenzwerte der Trinkwasserverordnung und was eine Kanne daran ändert
Die folgende Tabelle stellt die Grenzwerte aus den Anlagen 1 bis 3 der TrinkwV 2023 neben die Einhaltung laut UBA-Bericht und neben das, was für Filterkannen belegt ist. „k. A.“ bedeutet: In unserer Quellenbasis steht dazu keine belastbare Zahl.
| Parameter | Grenzwert TrinkwV 2023 | Einhaltung laut UBA-Bericht 2020–2022 | Was für eine Filterkanne belegt ist |
|---|---|---|---|
| E. coli | 0 pro 100 ml (Anlage 1) | 99,98 % | Kein Schutz vorgesehen; Krankheitserreger deuten laut Verbraucherzentrale auf ein Hygieneproblem im Netz, das kein Filter beheben soll |
| Nitrat | 50 mg/l | Überschreitungen 0,03 % (2022) | Kannenfilter schützen laut VKI nicht vor Nitrat |
| Nitrit | 0,50 mg/l (Wasserwerksausgang 0,10 mg/l) | k. A. | Bei schlecht gewarteten Filtern kann laut VKI Nitrat zu Nitrit werden |
| Blei | 0,010 mg/l, ab 12.01.2028 0,0050 mg/l | Überschreitungen meist am Hahn | UBA: Filter zur Bleientfernung nicht sinnvoll |
| Kupfer | 2,0 mg/l | k. A. | Reduktion laut Brita nach DIN EN 17093 geprüft (Herstellerangabe); Stiftung Warentest maß 2022, Einzelwerte kostenpflichtig |
| Pestizide | 0,00010 mg/l je Wirkstoff, 0,00050 mg/l gesamt | über 1 bis 3 % Überschreitung nur bei einzelnen Wirkstoffen | Brita nennt „Spuren von Herbiziden/Pestiziden“ (Herstellerangabe); unabhängig k. A. |
| Summe PFAS-20 | 0,00010 mg/l ab 12.01.2026 | k. A. (Berichtszeitraum vor Geltungsbeginn) | Herstellerangaben nach NSF/ANSI 53; kein unabhängiger deutscher Kannentest gefunden |
| Trihalogenmethane | 0,050 mg/l | k. A. | Stiftung Warentest prüfte 2022 die Reduktion von Trichlormethan; Einzelnoten kostenpflichtig |
| Natrium | 200 mg/l (Indikatorparameter) | k. A. | Kannen tauschen gegen Wasserstoff, nicht gegen Natrium (Stiftung Warentest, VKI) |
| pH-Wert | 6,5 bis 9,5 (Indikatorparameter) | k. A. | Filtrat wird anfangs saurer; BWT nennt für eine Kartusche 5,5 bis 7,0 (Herstellerangabe) |
Aus der Tabelle folgt eine nüchterne Rechnung. Wo Leitungswasser die Anforderungen zu 99,9 Prozent und mehr einhält, kann eine Kanne nur am verbleibenden Rest arbeiten, und genau dort, bei Keimen, Nitrat und Blei, ist sie nicht das Mittel der Wahl. Die Wasserhärte, bei der eine Kanne tatsächlich messbar wirkt, ist kein Grenzwertparameter. Sie wird nach einem anderen Gesetz eingeteilt, und dazu gleich mehr.
Ionenaustauscher und Aktivkohle: was in der Kartusche chemisch passiert
Eine Kannenkartusche ist ein Kunststoffgehäuse mit einer Schüttung aus zwei Materialien. Brita nennt für die MAXTRA PRO PURE PERFORMANCE „Ionenaustauscher-Perlen“, „natürliche Aktivkohle aus Kokosnussschalen“ und ein „extrafeines Netzgewebe“. Das Prinzip ist bei den großen Anbietern gleich, die Stiftung Warentest beschreibt es im Heft 7/2022 in zwei Sätzen: Aktivkohle bindet organische Stoffe und Schwermetalle. Kunstharze tauschen Calcium und Magnesium gegen Wasserstoff, das Wasser wird anfangs weicher, saurer und enthält weniger Mineralien.
Ionenaustausch: zwei Wasserstoff-Ionen für ein Calcium-Ion
Ein Ionenaustauscher ist ein Kunstharz in Form kleiner Kügelchen. An seiner Oberfläche sitzen fest gebundene, negativ geladene Gruppen. Ab Werk ist jede dieser Gruppen mit einem positiv geladenen Wasserstoff-Ion (H⁺) besetzt. Fließt Leitungswasser hindurch, treffen die Gruppen auf Calcium-Ionen (Ca²⁺) und Magnesium-Ionen (Mg²⁺), die das Harz bevorzugt bindet. Weil Calcium und Magnesium zweifach positiv geladen sind, verdrängt jedes dieser Ionen zwei Wasserstoff-Ionen. In Kurzform: Ca²⁺ + 2 R–H → R₂Ca + 2 H⁺, wobei R für das Harzgerüst steht.
Die freigesetzten Wasserstoff-Ionen machen das Wasser saurer, denn der pH-Wert ist nichts anderes als ein Maß für ihre Konzentration. Ein Teil reagiert sofort weiter: Leitungswasser enthält gelöstes Hydrogencarbonat (HCO₃⁻), und H⁺ + HCO₃⁻ ergibt Wasser und Kohlendioxid. Dieser Schritt ist der Grund, warum Hersteller die Wirkung als Reduktion der Karbonathärte angeben. Brita schreibt in der Bedienungsanleitung, die MAXTRA PRO sei nach DIN EN 17093:2018 auf Blei, Kupfer, Chlor und Karbonathärte getestet. Die Reaktionsgleichungen sind Grundchemie und keine Messwerte; wie weit sie in einer bestimmten Kartusche ablaufen, zeigen nur Labortests.
BWT geht einen anderen Weg und gibt für seine Magnesium-Kartuschen an, dass 25 bis 30 mg/l Magnesium ins Filtrat gelangen. Für das gefilterte Wasser nennt BWT einen pH-Wert von 6,3 bis 7,0, bei der Kartusche Soft Filtered Water EXTRA 5,5 bis 7,0. Zum Vergleich: Die TrinkwV führt für den pH-Wert einen Indikatorbereich von 6,5 bis 9,5. Ob die Verordnung überhaupt für Wasser gilt, das im Haushalt nachträglich gefiltert wurde, ist in unserer Quellenbasis nicht geklärt. Das österreichische Lebensmittelbuch hält eine Nachbehandlung von Wasser aus zentraler Versorgung laut VKI „grundsätzlich nicht“ für sinnvoll. Wie sich die Kartuschen von Brita und BWT im Detail unterscheiden, zeigt der Artikel Brita und BWT im direkten Vergleich.
Eine weitere Nebenwirkung steht nur im Kleingedruckten. Brita weist in der Anleitung darauf hin, dass es anfänglich zu einer leichten Erhöhung des Kaliumgehalts kommen kann, und rät Nierenkranken, das mit dem Arzt zu besprechen.
Aktivkohle: Adsorption an einer inneren Oberfläche
Aktivkohle wird aus kohlenstoffreichem Material wie Kokosnussschalen hergestellt und ist von feinsten Poren durchzogen. Moleküle aus dem Wasser lagern sich an deren Oberfläche an, ohne chemisch umgewandelt zu werden. Dieser Vorgang heißt Adsorption. Er wirkt vor allem auf organische Verbindungen, die Geruch und Geschmack prägen, und laut Stiftung Warentest auf Schwermetalle. Brita gibt für die PURE PERFORMANCE an, Chlor, Blei, Kupfer sowie Spuren von Herbiziden, Pestiziden und Medikamentenrückständen zu reduzieren. BWT nennt für alle seine Kannenkartuschen eine Chlorreduktion von über 80 Prozent. Beides sind Herstellerangaben.
Endliche Kapazität: wann der Austauscher erschöpft ist
Ein Ionenaustauscher hat eine begrenzte Zahl an Plätzen, eine Aktivkohle eine begrenzte Oberfläche. Der österreichische VKI beschreibt in seinem Magazin KONSUMENT die Folgen: Die Kapazität sinkt im Gebrauch, Schadstoffe reichern sich in der Aktivkohle an, bei Sättigung droht eine unerwünschte Abgabe. Die Verbraucherzentrale formuliert es auf ihrer Seite zur Wasserbehandlung so: Filter können „unbemerkt durchbrechen“ und zurückgehaltene Stoffe konzentriert abgeben. Das deckt sich mit der Warnung des UBA vor höheren Konzentrationen bei Überladung.
Wie schnell die Enthärtung nachlässt, hat die Stiftung Warentest im Heft 7/2022 gemessen. Das Prüfwasser hatte rund 16,5 °dH, laut test.de etwa der deutsche Durchschnitt, und war mit Stoffen aus Leitungen und Armaturen versetzt. Gemessen wurde das Filtrat nach 5, 25, 50, 75 und 100 Prozent der vom Anbieter angegebenen Kapazität. Ergebnis: Fast alle frischen Filter machten das harte Wasser weich, doch schon nach dem ersten Viertel der Kapazität kam nur noch mittelhartes Wasser heraus, auch beim besten Filter. Die Schweizer Zeitschrift K-Tipp gibt Messwerte aus diesem Test wieder (sekundär): Die Brita-Kannen senkten die Härte anfangs um 80 Prozent, nach 25 Litern nur noch um 35 Prozent.
Bei der Frage, wann eine Kartusche erschöpft ist, verlassen sich viele auf die Wechselanzeige. Der VKI weist darauf hin, dass viele Anzeigen nur die Zeit messen oder Deckelöffnungen zählen. Brita gibt für die Smart-Light-Anzeige an, dass sie Zeit und gefilterte Wassermenge erfasst. Eine Messung der Härte im Filtrat nimmt keine dieser Anzeigen vor. Die MAXTRA PRO PURE PERFORMANCE ist laut Brita für vier Wochen oder bis zu 150 Liter ausgelegt, je nachdem, was zuerst eintritt. Wie man den Wechsel praktisch organisiert, beschreibt der Ratgeber zu Kartuschenwechsel und Kannenhygiene.
Vier Annahmen, die die Kartuschenchemie nicht trägt
„Gefiltertes Wasser ist mineralreicher und damit gesünder.“ Das Gegenteil trifft zu. Der Ionenaustauscher entzieht Calcium und Magnesium, die Stiftung Warentest nennt das Filtrat ausdrücklich mineralärmer. Eine gesundheitliche Verbesserung ist nicht belegt, die Verbraucherzentrale sieht keinen gesundheitlichen Bedarf für Filter.
„Enthärtetes Wasser enthält viel Natrium.“ Das stimmt für Enthärtungsanlagen in der Hausinstallation, nicht für Kannen. Der DVGW gibt in seiner Information zur Wasseraufbereitung vom März 2024 an, dass bei Enthärtung per Kationenaustausch der Natriumgehalt um 8,2 mg/l je 1 °dH steigt. Bei einer Hausanlage, die um 10 °dH enthärtet, wären das rechnerisch 82 mg/l mehr Natrium, bei einem Indikatorwert von 200 mg/l in der TrinkwV. Kannenkartuschen tauschen laut Stiftung Warentest und VKI aber gegen Wasserstoff, nicht gegen Natrium. Die Verwechslung entsteht, weil beide Geräte „Ionenaustauscher“ heißen.
„Die Kanne hält auch Nitrat zurück.“ Der VKI schreibt ausdrücklich, dass Kannenfilter nicht vor Nitrat schützen. Die Norm DIN EN 17093 von 2018 enthält zwar Leistungsanforderungen zur Verminderung von Nitrat, Brita nennt Nitrat aber nicht unter den reduzierten Stoffen. Bei unzureichend gewarteten Filtern kann laut VKI sogar das Gegenteil passieren: Bakterien vermehren sich, und Nitrat kann dabei zu Nitrit umgewandelt werden. Für Nitrit erlaubt die TrinkwV 0,50 mg/l, am Ausgang des Wasserwerks 0,10 mg/l.
„Die Wechselanzeige zeigt, wann die Kartusche erschöpft ist.“ Sie zeigt, wann ein Zeit- oder Mengenintervall abgelaufen ist. Die Messreihe der Stiftung Warentest zeigt, dass die Enthärtung lange vor diesem Zeitpunkt nachlässt.
8,4 und 14 Grad deutscher Härte: ab wann Kalk stört und was er nicht tut
Wasserhärte beschreibt die Menge an gelösten Erdalkali-Ionen, vor allem Calcium und Magnesium. Rechtlich eingeteilt wird sie nicht in der Trinkwasserverordnung, sondern in § 9 des Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes (WRMG). Der Hintergrund: Wer Waschmittel dosiert, muss wissen, wie hart sein Wasser ist. Das Gesetz verpflichtet die Versorger deshalb, den Härtebereich mindestens einmal jährlich mitzuteilen. Die drei Bereiche lauten:
- weich: weniger als 1,5 mmol Calciumcarbonat je Liter
- mittel: 1,5 bis 2,5 mmol Calciumcarbonat je Liter
- hart: mehr als 2,5 mmol Calciumcarbonat je Liter
Im Alltag begegnet einem meist die Einheit °dH. Der DVGW setzt 1,5 mmol/l mit 8,4 °dH gleich. Daraus ergibt sich der Faktor 5,6, und 2,5 mmol/l entsprechen 14 °dH. Weich ist Wasser also unter 8,4 °dH, mittel zwischen 8,4 und 14 °dH, hart darüber.
Ein Widerspruch in einer verbreiteten Quelle sei gleich benannt: Die Seite der Verbraucherzentrale zur Bestimmung der Wasserhärte, zuletzt am 28.04.2025 aktualisiert, nennt noch die alten Härtebereiche mit Bereich I von 0 bis 7 °dH und Bereich III von 14 bis 21 °dH sowie die Einheit „Millimol Calciumoxid“. Diese Einteilung gilt nicht mehr, maßgeblich ist § 9 WRMG. In Österreich wiederum zieht KONSUMENT die Grenze zwischen weich und mittel bei 8,5 °dH, die obere Grenze ebenfalls bei 14 °dH.
Was Kalk tut und was nicht
Hartes Wasser ist nicht ungesund. Das schreibt das Umweltbundesamt in seinem Ratgeber „Rund um das Trinkwasser“ von 2016 ausdrücklich, ebenso, dass es Haushaltsgeräte zur Enthärtung, zur Schadstoff- oder zur Keimentfernung „weder für notwendig noch für sinnvoll“ hält. Gegen Kalk in Geräten empfiehlt das Amt Zitronensäure oder Essig.
Sichtbar wird Kalk erst unter bestimmten Bedingungen. Laut KONSUMENT entsteht er ab 60 bis 65 °C oder beim Auftrocknen von Wasser, also im Wasserkocher, in der Kaffeemaschine oder als Fleck auf der Armatur. Das erklärt, warum die Stiftung Warentest im Heft 7/2022 neben der Härte im Filtrat auch den Kalk im Wasserkocher nach jedem Durchgang und den Kesselstein am Ende der Kapazität bewertete.
Eine Ausnahme von seinem Nein formuliert das UBA im Ratgeber „Trink was“: bei sehr hartem Wasser mit einem Calciumgehalt ab 2,5 mmol/l, wenn Warmwasser über 60 °C erhitzt wird, mit Verweis auf die Norm DIN 1988-200. Gemeint ist damit die Hausinstallation, also Leitungen und Warmwasserbereiter, nicht die Kanne auf dem Küchentisch. Auch der DVGW bezieht seine Empfehlung auf die Hausinstallation: Aus „gesundheitlich-hygienischen Gründen“ bestehe keine Notwendigkeit, geliefertes Trinkwasser aufzubereiten, und vollständig enthärtetes Wasser sei „nicht zweckmäßig“. Mindestens 0,5 mmol/l Calcium, rund 3 °dH, sollen erhalten bleiben.
Wie lange die Kanne im harten Bereich hilft
Das Prüfwasser der Stiftung Warentest mit 16,5 °dH lag bei rund 2,9 mmol/l und damit im harten Bereich. Wendet man die von K-Tipp wiedergegebenen Werte darauf an, kommt aus einer frischen Brita-Kartusche bei 80 Prozent Härtesenkung Wasser mit rechnerisch 3,3 °dH, also weiches Wasser. Nach 25 Litern und 35 Prozent Härtesenkung sind es rechnerisch 10,7 °dH, also mittelhartes Wasser. KONSUMENT berichtet, dass kein Filter über die gesamte Nutzungsdauer die Härte von 17 auf 10 °dH senken konnte. Der K-Tipp schreibt (sekundär), für die vom Teeverband empfohlene Härte müsste man den Filter alle ein bis zwei Wochen tauschen. Eine konkrete Härtezahl des Teeverbands haben wir nicht gefunden.
Die geprüfte Kartusche war die MAXTRA+, die inzwischen von der MAXTRA PRO abgelöst wurde. Für die aktuelle MAXTRA PRO PURE PERFORMANCE gibt Brita an, die Kalkreduktion sei nach DIN EN 17093:2018 mit 11 °dH für bis zu 120 Liter getestet. Die österreichische Brita-Seite nennt für die Reduktion der Karbonathärte bis zu 150 Liter. Ein unabhängiger Labortest der neuen Kartusche liegt nicht vor. Auffällig ist das Prüfwasser: 11 °dH sind mittelhart, das Prüfwasser der Stiftung Warentest war mit 16,5 °dH deutlich härter.
Aus diesen Zahlen lässt sich ableiten, was weiches Wasser aus der Kanne kostet. Bei der Stiftung Warentest kostete die MAXTRA+ im April 2022 5,00 Euro für 100 Liter Anbieterkapazität, also 5,0 Cent pro Liter. Wer nur die ersten 25 Liter als wirklich weich ansetzt, zahlt für diese Phase rechnerisch 20 Cent pro Liter. Das ist eine Ableitung aus den Testdaten, keine Zahl der Stiftung Warentest.
Wer Kalk vor allem in Geräten bekämpfen will, hat günstigere Wege. Für den Wasserkocher beschreibt der Ratgeber Wasserkocher entkalken mit Zitronensäure oder Essig das Vorgehen, Geräte mit und ohne Temperaturwahl sammelt der Bereich Wasserkocher im Vergleich. Kaffeevollautomaten arbeiten mit eigenen Filterpatronen, die eine andere Bauform haben als Kannenkartuschen; sie behandelt der Vergleich Filterpatronen für Kaffeevollautomaten, das Entkalken der Maschine der Ratgeber Kaffeevollautomat entkalken.
Blei aus alten Leitungen: warum das UBA keine Kanne empfiehlt
Blei ist der Stoff, bei dem die Frage nach einem Filter am ehesten berechtigt erscheint. Überschreitungen entstehen laut UBA-Bericht meist nicht im Wasserwerk, sondern in Leitungen und Armaturen im Gebäude, und betroffen sind ausgerechnet die empfindlichsten Gruppen: Schwangere, Säuglinge und kleine Kinder. Gerade deshalb lohnt der genaue Blick auf die Rechtslage und auf die Begründung der Behörden.
Grenzwerte und Fristen
Der Grenzwert für Blei im Trinkwasser ist in drei Stufen gesunken und sinkt ein viertes Mal. Das Umweltbundesamt stellt die Historie in einem Faltblatt von 2026 dar, die Fristen für Leitungen stehen in § 17 TrinkwV.
| Zeitpunkt | Regel | Quelle |
|---|---|---|
| bis Ende 2003 | Grenzwert 0,04 mg/l | UBA-Faltblatt 2026 |
| ab 2004 | Grenzwert 0,025 mg/l | UBA-Faltblatt 2026 |
| seit 01.12.2013 | Grenzwert 0,010 mg/l (10 µg/l) | UBA-Faltblatt 2026, TrinkwV Anlage 2 |
| bis Ablauf 12.01.2026 | Bleileitungen entfernen oder stilllegen | § 17 TrinkwV |
| bis höchstens 12.01.2036 | Verlängerung bei Eigennutzung möglich | § 17 TrinkwV |
| ab 12.01.2028 | Grenzwert 0,0050 mg/l (5 µg/l) | TrinkwV Anlage 2, UBA-Faltblatt 2026 |
Eine Verlängerung der Frist von 2026 kann das Gesundheitsamt laut § 17 auch gewähren, wenn Installateure keine Kapazität haben. Gegenüber den Verbrauchern besteht eine Informationspflicht. Gemessen wird Blei nach der TrinkwV über eine gestaffelte Stagnationsbeprobung, bei der Proben nach unterschiedlich langer Standzeit genommen werden, oder über eine Zufallsstichprobe.
Hier widersprechen sich zwei verbreitete Formulierungen. Die Stiftung Warentest schrieb im Juli 2021, Bleirohre seien in Deutschland „seit 2013 unzulässig“. Das UBA dagegen überschreibt sein Faltblatt mit „Verbot gilt seit dem 12. Januar 2026“. Beides lässt sich auflösen: Seit dem 01.12.2013 gilt der Grenzwert von 0,010 mg/l, den Bleileitungen in der Regel nicht einhalten können. Ein ausdrückliches Verbot mit Austauschpflicht gilt aber erst seit dem 12.01.2026.
Wo Bleirohre noch liegen können
Laut UBA wurden Bleirohre teilweise bis 1973 verbaut. Die Verbraucherzentrale formuliert es umgekehrt: Häuser ab Baujahr 1973 haben keine Bleileitungen. Einheitlich gesagt: bis etwa 1973 verbaut. Der süddeutsche Raum war laut UBA praktisch immer frei davon. Als weitere Bleiquellen nennt das Amt verzinkten Stahl und Armaturen aus Kupferlegierungen. Die Stiftung Warentest schrieb 2021, Bleirohre fänden sich laut Studien „noch selten“ in Altbauten aus der Zeit vor 1973.
Wer unsicher ist, kann das Wasser untersuchen lassen. Die Stiftung Warentest nannte 2021 rund 15 Euro für eine Laboranalyse, für Schwangere oft kostenlos. ÖKO-TEST nennt für eine Blei- und Kupferanalyse beim Wasserwerk oder einem Institut 30 bis 70 Euro. Die Spanne erklärt sich vermutlich durch den Umfang der Analyse; belegt ist das nicht.
Warum die Kanne keine Lösung ist
Das UBA ist an dieser Stelle eindeutig. Im Umwelttipp „Blei im Trinkwasser“ steht der Satz: „Die Anwendung von Filtern zur Bleientfernung ist nicht sinnvoll.“ Im Ratgeber „Trink was“ heißt es, Wasser aus Bleileitungen sei für Schwangere, Säuglinge und Kinder bis sechs Jahre „immer ungeeignet“. Filter und Sanierungsverfahren seien „nicht zielführend“, nur der Austausch der Leitung helfe. Die Verbraucherzentrale schreibt, Filter sollten nicht zur Bleientfernung dienen, bei Verdacht sei das Wasser untersuchen zu lassen. Die Stiftung Warentest kam schon 2009 zum Ergebnis, dass ein Filter bei Bleirohren nur vorübergehend helfe, auf Dauer nur der Austausch.
Das Urteil beruht nicht darauf, dass Aktivkohle und Ionenaustauscher Blei grundsätzlich nicht binden könnten. Im Test 5/2015 der Stiftung Warentest senkten die meisten Filter Schwermetalle deutlich, und Brita gibt an, die MAXTRA PRO sei auf Bleireduktion nach DIN EN 17093 getestet. Die Probleme liegen woanders, und sie folgen aus der Chemie des vorigen Abschnitts. Die Kapazität einer Kartusche ist begrenzt. Keine Wechselanzeige misst, ob sie für Blei noch aufnahmefähig ist. Und bei Überladung kann ein Filter laut UBA angereicherte Stoffe wieder abgeben. Für die Gruppe, die am stärksten gefährdet ist, also Säuglinge, deren Fläschchen täglich mit Leitungswasser zubereitet wird, wäre ein unbemerkter Durchbruch die schlechteste denkbare Folge. Die Einzelergebnisse der Stiftung Warentest 2022 zur Bleireduktion sind kostenpflichtig und lagen uns nicht vor.
Eine Abgrenzung gehört hierher, weil sie in Suchanfragen oft vermischt wird. Pflicht ist im Haus ein anderer Filter: Die Verbraucherzentrale nennt mechanische Partikelfilter hinter der Wasseruhr nach DIN 1988 sinnvoll und vorgeschrieben, auf ihrer Seite zu Blei und Legionellen mit dem Hinweis, dass diese Pflicht seit 2012 gilt. Ein solcher Filter arbeitet rein mechanisch. Mit Blei aus Hausleitungen und mit der Filterkanne hat er nichts zu tun.
PFAS-Grenzwerte ab 2026 und was Kartuschenhersteller dazu belegen
PFAS ist die Abkürzung für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, eine Gruppe von Industriechemikalien. Die Trinkwasserverordnung 2023 hat für sie zwei Summengrenzwerte eingeführt, die gestaffelt in Kraft treten. Seit dem 12.01.2026 gilt für die Summe von 20 PFAS ein Grenzwert von 0,00010 mg/l. Das sind 0,1 Mikrogramm oder 100 Nanogramm pro Liter. Ab dem 12.01.2028 gilt zusätzlich für die Summe der vier Stoffe PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS ein Grenzwert von 0,000020 mg/l, also 20 Nanogramm pro Liter.
Der UBA-Bericht für 2020 bis 2022 deckt einen Zeitraum ab, in dem diese Grenzwerte noch nicht galten. Einhaltungsquoten für PFAS nach den neuen Werten liegen in unserer Quellenbasis daher nicht vor. Ob das eigene Leitungswasser betroffen ist, lässt sich nur über eine Anfrage beim Versorger klären.
Was auf den Kartuschen steht
Mehrere Hersteller werben inzwischen mit PFAS-Reduktion. Die folgende Übersicht zeigt, worauf sie sich nach eigener Angabe stützen.
| Kartusche | PFAS-Angabe des Herstellers | Prüfgrundlage laut Hersteller | Unabhängig bestätigt |
|---|---|---|---|
| Brita MAXTRA PRO PURE PERFORMANCE | „PFAS wie PFOS/PFOA“ | getestet nach NSF/ANSI 53; brita.at zusätzlich JWPAS B.210 | kein NSF-Listing verlinkt, k. A. |
| Philips Micro X-Clean | PFOA | Fußnote verweist auf Prüfbedingungen, Labor nicht genannt | k. A. |
| Philips Softening+ (AWP230) | PFOA und PFOS | wie oben | k. A. |
| Dafi Unimax PFAS Pure+ | PFAS im Produktnamen, Wechsel nach ca. 150 Litern | k. A. | k. A. |
NSF/ANSI 53 ist ein US-amerikanischer Standard für Trinkwasserfilter mit gesundheitsbezogenen Ansprüchen, JWPAS B.210 ein japanischer Prüfstandard. Keine der Angaben ist für sich falsch. Es fehlt aber durchweg der öffentlich einsehbare Prüfbericht, aus dem hervorginge, bei welcher Ausgangskonzentration, über wie viele Liter und mit welchem Ergebnis geprüft wurde.
Die in Europa einschlägige Norm hilft hier noch nicht weiter. DIN EN 17093:2018, die Norm für leitungsungebundene Haushaltswasserfilter mit 40 Seiten, enthält laut DIN Media Leistungsanforderungen zur Verminderung von Metallen, Kesselstein, freiem Chlor und Nitrat sowie zu Geruch und Geschmack. PFAS ist darin nicht genannt. Der Norm-Entwurf DIN EN 17093:2026-09 mit 84 Seiten führt laut DIN Media als neue chemische Anforderungen die PFAS-Reduzierung und die Reduzierung von freiem Chlor auf. Dass freies Chlor schon in der Beschreibung der Fassung von 2018 vorkommt, lässt sich ohne den kostenpflichtigen Normtext nicht auflösen. Die Fassung von 2018 stellt klar, dass Kannenfilter nur der Nachbehandlung von Trinkwasser dienen, nicht seiner Herstellung.
Nebenbei zeigt die Normenlage eine zweite Marketing-Lücke. DIN EN 17093 hat die frühere DIN 10521 von 2009 ersetzt. BWT gibt auf seiner Website trotzdem an, seine Kartuschen erfüllten die mikrobiologischen Anforderungen nach DIN 10521, also nach einer zurückgezogenen Norm.
Was unabhängige Prüfer zu PFAS sagen, ist dünn belegt. Der Schweizer K-Tipp veröffentlichte am 24.09.2026 einen Artikel mit der Überschrift „Wasserfilter gegen PFAS halten Werbeversprechen nicht“ und beschreibt die Kapazität als „sehr beschränkt“. Der Volltext ist kostenpflichtig, welche Modelle geprüft wurden, konnten wir nicht einsehen (sekundär). Die Prüfmethodik der Stiftung Warentest von 2022 umfasste Härte, Trichlormethan, Blei, Kupfer, Silber und Keime, aber kein PFAS. Einen unabhängigen deutschen Labortest von Filterkannen auf PFAS haben wir nicht gefunden.
Mikroplastik: gleiche Lage, andere Stoffe
Bei Mikroplastik wiederholt sich das Muster. Laica gibt für die MikroPLASTIK-STOP-Kanne an, über 99,5 Prozent der Partikel ab 0,1 Mikrometer zurückzuhalten, auf der Kannenseite plakativ „99,99 %“, dann bezogen auf Partikel ab 1 Mikrometer. Als Prüflabor nennt Laica unter anderem die Wessling GmbH in Deutschland, einen Prüfbericht verlinkt der Hersteller nicht. Philips nennt Mikroplastik in den Datenblättern, ebenfalls ohne Labor. Brita gibt für die MAXTRA PRO EXTRA KALKSCHUTZ an, Partikel ab 30 Mikrometer zu reduzieren. Unabhängige Tests zum Mikroplastik-Rückhalt von Kannenkartuschen haben wir für Deutschland, Österreich und die Schweiz nicht gefunden. Der einzige auffindbare Prüfwert betrifft einen Wasserhahnaufsatz: Laut K-Tipp hält das Modell Pure Acqua von Coop nur Teilchen ab 20 Mikrometer zurück.
Silber gegen Keime: WHO-Referenzwert und BfR-Bewertung
Eine Kartusche ist feucht, nährstoffhaltig und steht oft bei Zimmertemperatur. Das sind gute Bedingungen für Bakterien. Hersteller versetzen das Filtermaterial deshalb mit Silber, das das Keimwachstum hemmen soll. Brita, BWT und Laica bestätigen das selbst. In der Brita-Bedienungsanleitung heißt es, der Filter verfüge über „ein speziell mit Silber behandeltes Material“, dadurch könnten Spuren von Silber ins Wasser gelangen. Auf den Produktseiten von brita.de taucht Silber bei den Filterstoffen nicht auf, nur in der Anleitung. BWT schreibt, die Kartuschen würden sterilisiert und „mit einem geringen Silberanteil versehen“, entsprechend den Empfehlungen der WHO. Laica erklärt, Silber hemme das Wachstum von Bakterien, nachdem das Chlor entfernt ist. Bei Dafi, Aquaphor, Philips, PearlCo und Amazon Basics fanden wir keine Angabe dazu.
Wie viel Silber im Glas landet
Messwerte pro Modell sind öffentlich kaum zugänglich. Die Stiftung Warentest untersuchte 2022 die Filtrate auf Silber und bewertete zudem, ob die Silberabgabe deklariert ist; die Werte sind kostenpflichtig. Frei zugänglich ist eine Angabe des VKI: Bei den meisten Modellen seien die Kartuschen mit Silberionen versetzt, dabei landeten bis zu 15 Mikrogramm Silber pro Liter im Wasser. Ob das langfristig riskant ist, sei ungewiss. Modell und Messjahr nennt diese Seite nicht.
Der WHO-Referenzwert von 0,1 mg/l
Die Weltgesundheitsorganisation hat für Silber keinen formalen Leitwert festgelegt, sondern im Chemical Fact Sheet von 2022 einen provisorischen Referenzwert von 0,1 mg/l. Er gilt laut WHO besonders dort, wo Silber in Wasserbehandlungsgeräten am Verwendungsort eingesetzt wird, also auch in Filterkannen. Hergeleitet ist er aus einer Gesamtaufnahme von 10 Gramm Silber, die beim Menschen ohne beobachtete schädliche Wirkung blieb. Wer 70 Jahre lang täglich 2 Liter Wasser mit 0,1 mg/l Silber trinkt, nimmt rechnerisch 5,1 Gramm auf, rund die Hälfte davon. Als einziges klares Zeichen einer Überdosierung nennt die WHO die Argyrie, eine dauerhafte grau-blaue Verfärbung der Haut. Zugleich hält die WHO fest, dass Silber zur Desinfektion von Trinkwasser nicht empfohlen wird, ausdrücklich auch nicht in solchen Geräten.
Die 15 Mikrogramm pro Liter des VKI entsprechen 0,015 mg/l und damit 15 Prozent des WHO-Referenzwerts. Eine Präzisierung zur Brita-Anleitung: Dort steht, die Silberspuren lägen unter den WHO-Grenzwerten. Einen Grenzwert im engeren Sinn hat die WHO für Silber nicht festgelegt, sondern einen provisorischen Referenzwert.
Was das BfR 2009 bewertete
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat sich in der Stellungnahme Nr. 024/2010 vom 28.12.2009 mit Silber befasst, vor allem mit Nanosilber. Darin steht, dass nach der damaligen Zusatzstoff-Zulassungsverordnung Silber und einige Silbersalze zur Konservierung von Trinkwasser nach der Entnahmestelle bei nicht systematischem Gebrauch mit einer Höchstmenge von 0,08 mg/l erlaubt waren. Das BfR zitiert einen hessischen Antrag, wonach Wasserfiltern für Kaffee- und Teewasser Silber zugesetzt wird, um die Verkeimung des Filtermaterials zu verhindern. Die Abgabe ans Wasser sei technisch gesteuert und „aktiv gewollt“, also kein zufälliger Migrationseffekt.
Die Bewertung des BfR ist zweigeteilt. Für den ungünstigsten Fall von 2 Litern pro Tag über 70 Jahre bei 0,080 mg/l sah es keine gesundheitlichen Bedenken gegen Silbersalze zur Konservierung in Kleinanlagen. Zugleich verwies es auf Studien, in denen sich Silber bei Mäusen schon bei 0,03 mg/l im Trinkwasser in Kleinhirn und Muskel anreicherte. Die Bedeutung dieses Befunds sei nicht kurzfristig zu klären, eine Neubewertung sei nötig. Eine eigene Stellungnahme des BfR speziell zu Tischwasserfiltern haben wir nicht gefunden. Silber steht außerdem nicht in der UBA-Liste der zulässigen Aufbereitungsstoffe nach § 20 TrinkwV in der Fassung vom Januar 2023.
Bremst das Silber die Keime?
Belege für eine verlässliche Wirkung fehlen. Die Stiftung Warentest ließ 2022 im sogenannten Urlaubsszenario die Kartuschen eine Woche bei Zimmertemperatur stehen, ohne Abkochen, filterte dann weiter und prüfte den zehnten Liter auf Bakterien und Schimmelpilze. In allen Kannen fanden die Prüfer Bakterien, in einem Modell zusätzlich Schimmelpilze. Dabei handelte es sich laut Pressemitteilung um eine Fremdkartusche; dass es die Yucona war, berichtet heidelberg24 (sekundär).
Eine italienische Studie des Istituto Superiore di Sanità, veröffentlicht 2020 von Briancesco und Kollegen, untersuchte neun Filterkannen gängiger Marken vom italienischen Markt unter Bedingungen nachlässiger Nutzung und maß täglich über die Lebensdauer der Kartusche. Der Keim Enterobacter aerogenes war nur am ersten Tag nachweisbar, Pseudomonas aeruginosa hielt sich dagegen in allen Kannen. Die Gesamtkeimzahl lag in allen Versuchen zwischen 10² und 10⁷ koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 ml; eine KBE entspricht einer Bakterienkolonie, die auf dem Nährboden wächst. Die Autoren ordnen das als nicht weit entfernt von stillem Mineralwasser einige Wochen nach der Abfüllung ein.
Einen Zielkonflikt zeigt eine alte Testtabelle des VKI mit Preisstand Frühjahr 1999. Die Kannenfilter von Brita und aqua select hatten eine „sehr große“ Silberabgabe, aber eine „sehr geringe“ Keimzahl. Bei den beiden direkt anschließbaren Geräten von Amway und Singer war es umgekehrt. Weniger Keime gab es also um den Preis von mehr Silber im Wasser. Die Tabelle ist über 25 Jahre alt, aktuelle frei zugängliche Messwerte zu diesem Zielkonflikt haben wir nicht gefunden.
Wie sich Keime im Alltag klein halten lassen, gehört in den Ratgeber zum Wechsel. Kurz: Die Verbraucherzentrale rät, den Filter im Kühlschrank aufzubewahren, die Kartusche regelmäßig zu wechseln und die Kanne zu reinigen. Brita und BWT empfehlen, gefiltertes Wasser innerhalb von 24 Stunden zu verbrauchen.
Ein Gramm gegen mehrere hundert: Leitungswasser und Flaschenwasser in der Ökobilanz
Ein häufiges Argument für die Filterkanne lautet: Wer filtert, kauft kein Wasser in Flaschen. Ob das stimmt, ist eine Frage der Ökobilanz. Die ausführlichste Studie für Deutschland stammt vom Schweizer Büro ESU-services, verfasst von Meili, Jungbluth, Scanu und Malinverno, datiert auf den 27.05.2024. Eine Einschränkung muss vorangestellt werden: Auftraggeber war die wvgw, die Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser aus dem Umfeld des DVGW, also eine Organisation der Wasserwirtschaft. Die Studie ist öffentlich zugänglich, die Interessenlage des Auftraggebers sollte man beim Lesen trotzdem kennen.
Die Zahlen der ESU-Studie
Für stilles, ungekühltes Wasser ermittelt die Studie für Trinkwasser je nach Umweltindikator eine 18- bis 2.937-mal geringere Umweltbelastung als für Mineralwasser, in der gewichteten Gesamtbewertung eine 216- bis 340-mal geringere. Selbst im günstigsten Fall für Mineralwasser, mit PET-Flaschen aus maximalem Rezyklatanteil, regionaler Quelle und Heimweg zu Fuß, schneidet Leitungswasser noch 9- bis 97-mal besser ab, gewichtet 50-mal. Wird das Leitungswasser gekühlt und mit Kohlensäure versetzt, schrumpft der Vorsprung auf das 2- bis 29-Fache, gewichtet auf das 6- bis 9-Fache.
Beim Treibhausgas liegt Trinkwasser bei 1 Gramm CO₂-Äquivalent pro Liter, still und ungekühlt. Gekühlt und mit Kohlensäure sind es bis zu 72 Gramm. Mineralwasser kommt in üblichen Varianten auf 367 bis 596 Gramm, im günstigsten Fall auf 102 Gramm. Daher die Überschrift dieses Abschnitts: ein Gramm gegen mehrere hundert.
Das Umweltbundesamt kommt zu einem ähnlichen Bild. Leitungswasser verursache weniger als ein Prozent der Umweltbelastung von Mineralwasser, Flaschenwasser laut Beschreibung einer UBA-Infografik über 500-mal mehr CO₂. Die Stiftung Warentest nannte 2021 ebenfalls weniger als 1 Prozent der Umweltbelastungen.
Wo die Filterkanne in dieser Rechnung steht
Hier endet die belastbare Datenlage. Tischwasserfilter sind in der ESU-Studie nicht enthalten. Eine unabhängige Ökobilanz, die Filterkanne, Leitungswasser und Flaschenwasser vergleicht, haben wir nicht gefunden. Es gibt nur Herstellerangaben. Brita gibt an, Rückgabe und Recycling einer MAXTRA-Kartusche verursachten 47 Prozent weniger CO₂ als die Verbrennung über den Hausmüll, gestützt auf eine Ökobilanz von Ramboll aus dem Jahr 2022, die wir nicht einsehen konnten.
Belegt ist die Abfallmenge. Die Stiftung Warentest berechnete 2022 aus dem Trockengewicht der Kartuschen und der Anbieterkapazität bei 5 Litern gefiltertem Wasser pro Tag einen Kartuschenmüll von 1,1 bis 2,1 Kilogramm pro Jahr. Brita nimmt Kartuschen über Sammelboxen im Handel oder per Post zurück, ab 6 Kartuschen pro Paket; das Programm startete laut Brita 1992. BWT und Laica verweisen für ihre Kannenkartuschen auf den Hausmüll.
Sicher lässt sich nur eines sagen: Wer von Flaschenwasser auf Leitungswasser umsteigt, spart laut ESU-Studie und UBA den größten Teil der Umweltbelastung, mit oder ohne Kanne. Die Kanne fügt dem Leitungswasser eine Kartusche hinzu, deren Fußabdruck unabhängig nicht beziffert ist.
Was ein Liter kostet
Die Kosten zeigen ein ähnliches Gefälle, allerdings mit widersprüchlichen Ausgangszahlen. Das Umweltbundesamt rechnet vor, dass man für 1 Cent etwa 5 Liter Leitungswasser bekommt; 121 Liter pro Person und Tag kosten frei Haus etwa 27 Cent. ÖKO-TEST nennt im Schnitt 0,2 Cent pro Liter. Die Stiftung Warentest schrieb 2021 von rund einem halben Cent und von Mineralwasser ab 13 Cent pro Liter.
Für gefiltertes Wasser gehen die Zahlen weit auseinander. Die Stiftung Warentest kam 2022 nur für die Kartusche und mit der Kapazitätsangabe der Anbieter auf 2,7 Cent (Edeka) bis 6,0 Cent pro Liter (Philips), die Brita MAXTRA+ lag bei 5,0 Cent. ÖKO-TEST nennt dagegen 15 Cent pro Liter einschließlich Anschaffung und Kartuschenwechsel, ohne den Rechenweg offenzulegen.
Wie beides zusammenpasst, zeigt eine eigene Rechnung mit den Brita-Preisen vom 12.10.2026. Annahme: 2 Liter gefiltertes Wasser pro Tag, also 730 Liter im Jahr. In vier Wochen fließen damit 56 Liter durch die Kartusche, deutlich weniger als die 150 Liter Kapazität. Es begrenzt also das Zeitintervall, und im Jahr werden 13 Kartuschen fällig.
| Variante | Preis je Kartusche | Kosten im Jahr | Kosten pro Liter |
|---|---|---|---|
| Leitungswasser ungefiltert | – | 1,46 € | 0,2 ct |
| Brita PURE PERFORMANCE, 12er im Spar-Abo (55,42 €) | 4,62 € | 60,06 € | 8,2 ct |
| Brita PURE PERFORMANCE, 6er einmalig (47,69 €) | 7,95 € | 103,35 € | 14,2 ct |
Preise im Brita-Shop am 12.10.2026, Kanne nicht eingerechnet, Leitungswasser mit 0,2 Cent pro Liter. Bei kleinen Haushaltsmengen liegen die realen Literkosten also deutlich über den 5 Cent der Testrechnung, weil die Kartusche nach vier Wochen gewechselt wird, bevor ihre Literkapazität erreicht ist. Damit rückt die ÖKO-TEST-Zahl von 15 Cent in Reichweite. Wer günstigere Ersatzkartuschen in Betracht zieht, findet Preise und Belege im Artikel über günstige Ersatzkartuschen anderer Anbieter.
Wer Leitungswasser vor allem trinkt, weil es Flaschenkisten ersetzen soll, und dabei Kohlensäure vermisst, landet eher beim Sprudler als bei der Kanne. Die ESU-Studie zeigt, dass auch gekühltes Leitungswasser mit Kohlensäure mit bis zu 72 Gramm CO₂-Äquivalent pro Liter klar unter Flaschenwasser bleibt. Die Geräte sammelt der Bereich Wassersprudler, Modelle mit Testergebnissen stehen im Sprudler-Vergleich, Geräte ohne Plastikflasche im Vergleich der Sprudler mit Glaskaraffe.
Drei Situationen, in denen eine Filterkanne trotzdem Sinn ergibt
Die bisherigen Abschnitte haben vor allem gezeigt, was eine Kanne nicht leistet. Es bleiben Fälle, in denen sie einen messbaren Effekt hat, und sie haben alle mit Härte oder Geschmack zu tun, nicht mit Gesundheit. Die Stiftung Warentest hat das 2022 in einem Satz von Stephan Scherfenberg zusammengefasst: „Höchstens für Teegourmets kann ein Wasserfilter zu Hause interessant sein“.
Situation 1: Tee bei hartem Leitungswasser
Die Stiftung Warentest schrieb schon 2009, kleine Tischfilter, die Wasser weicher machen, könnten den Geschmack von Tee verbessern. Sinnvoll ist das ab dem harten Bereich, also über 14 °dH, und mit Einschränkungen im oberen mittleren Bereich. Bedingung ist ein kurzer Wechselrhythmus. Wie der Abschnitt zur Härte gezeigt hat, liefert eine Kartusche nur zu Beginn wirklich weiches Wasser. Für Teetrinker, die Wasser auf eine bestimmte Temperatur bringen wollen, ist der Vergleich der Wasserkocher mit Temperaturwahl der passende nächste Schritt.
Situation 2: Kalk im Wasserkocher oder in der Kaffeemaschine ohne eigenen Filter
Kalk fällt ab 60 bis 65 °C aus, also genau dort, wo Wasser erhitzt wird. Eine frische Kartusche reduziert die Karbonathärte und damit den Kesselstein, das hat die Stiftung Warentest 2022 im Wasserkocher gemessen. Bei hartem Wasser und einer Filterkaffeemaschine oder einem Wasserkocher ohne Kalkfilter kann eine Kanne das Entkalken seltener nötig machen. Die Alternative ist billiger: Zitronensäure oder Essig, wie das UBA empfiehlt. Wer gerade eine Maschine sucht, findet die Auswahl im Filterkaffeemaschinen im Vergleich, Tamper, Reinigungstabs und Wasserfilter für Maschinen im Bereich Kaffee-Zubehör von Waage bis Wasserfilter.
Situation 3: Chlorgeschmack, der beim Trinken stört
Riecht oder schmeckt Leitungswasser zeitweise nach Chlor, etwa weil der Versorger desinfiziert, kann die Aktivkohle einer Kartusche das abmildern. Brita nennt Chlor unter den reduzierten Stoffen, BWT gibt über 80 Prozent Chlorreduktion an. Beides sind Herstellerangaben, unabhängige Messwerte zur Chlorreduktion von Kannen liegen in unserer Quellenbasis nicht vor. Vor dem Kauf lohnt eine Nachfrage beim Versorger, ob und wie lange desinfiziert wird.
Wann keine dieser Situationen vorliegt
Eine Kanne ist laut Behördenlage keine Antwort auf Blei aus Hausleitungen, auf Keime, auf Nitrat und auf PFAS-Sorgen ohne konkreten Befund des Versorgers. Auch Babynahrung ist kein Grund: Die Verbraucherzentrale schreibt, Kleinkinder brauchten kein gefiltertes Wasser. Brita empfiehlt für Babys und immungeschwächte Menschen, das Wasser erst zu filtern und dann abzukochen, BWT rät ebenfalls zum zusätzlichen Abkochen. Wo Bleileitungen liegen, ist das Wasser für Säuglinge laut UBA ungeeignet, mit oder ohne Filter.
| Situation | Voraussetzung | Was die Kanne laut Belegen bewirkt | Günstigere oder sicherere Alternative |
|---|---|---|---|
| Tee | Wasser über 14 °dH | weicheres Wasser, solange die Kartusche frisch ist | kürzerer Wechselrhythmus; bei weichem Leitungswasser unnötig |
| Wasserkocher, Filterkaffeemaschine | Wasser über 14 °dH, Gerät ohne eigenen Filter | weniger Kesselstein (SWT 2022 gemessen) | regelmäßig mit Zitronensäure oder Essig entkalken (UBA) |
| Chlorgeschmack | zeitweiser Geruch oder Geschmack | Aktivkohle reduziert Chlor (Herstellerangabe) | beim Versorger nach Dauer der Desinfektion fragen |
| Blei-Verdacht | Altbau, Leitungen bis etwa 1973 | nicht verlässlich (UBA, Verbraucherzentrale) | Wasseranalyse, Austausch der Leitung |
| Keime, Nitrat | – | kein Schutz, bei schlechter Wartung eher Risiko | Versorger informieren |
Wer sich für eine Kanne entscheidet, hält sich an wenige Regeln, die Behörden und Hersteller übereinstimmend nennen: Filter im Kühlschrank aufbewahren, wie es die Verbraucherzentrale rät. Gefiltertes Wasser innerhalb von 24 Stunden verbrauchen, wie Brita und BWT schreiben. Laut BWT nicht mehr als acht bis zehn Liter pro Tag filtern. Die Kartusche spätestens nach dem Herstellerintervall wechseln, bei Tee besser früher. Die Einzelheiten zu Wechsel, Reinigung und Entsorgung stehen im Ratgeber Filterkartusche richtig wechseln.
Für die Auswahl einer Kanne liefert der Filterkannen-Vergleich mit Stiftung-Warentest-Daten die Datenblätter, Messwerte und Literpreise. Wer Kunststoff im Wasserweg vermeiden möchte, liest den Vergleich der Filterkannen aus Glas, welche Teile dort trotzdem aus Kunststoff sind. Alle Artikel dieses Themas bündelt der Bereich Wasserfilter und Filterkannen.
Diesen Ratgeber hat Bastian Saupe aus dem UBA-Trinkwasserbericht für 2020 bis 2022, den Anlagen 1 bis 3 und § 17 der Trinkwasserverordnung 2023, § 9 des Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes, zwei Filtertests der Stiftung Warentest (5/2015 und 7/2022), dem WHO-Datenblatt zu Silber, der BfR-Stellungnahme 024/2010 und der ESU-Ökobilanz von 2024 zusammengestellt. Angaben von Brita, BWT, Philips, Laica und Dafi sind als Herstellerangaben gekennzeichnet, Preise gelten für den 12.10.2026. Wie wir Behördenquellen gegen Werbeaussagen gewichten, erklärt die Methodik. Wir überarbeiten den Text, sobald das Umweltbundesamt einen Bericht für die Folgejahre vorlegt, die Stiftung Warentest Filterkannen neu prüft oder die überarbeitete DIN EN 17093 mit PFAS-Anforderungen erscheint.
Häufig gestellte Fragen
Braucht man in Deutschland einen Wasserfilter für Leitungswasser?
In der Regel nicht. Das Umweltbundesamt hält eine zusätzliche Behandlung von Trinkwasser im Haushalt für nicht notwendig und rät von Filtergeräten ab, die Verbraucherzentrale sieht aus gesundheitlicher Sicht keinen Bedarf. Grundlage ist der UBA-Bericht für 2020 bis 2022: Bei den meisten Parametern halten die großen Versorger die Anforderungen der Trinkwasserverordnung zu über 99 Prozent ein. Probleme entstehen eher in alten Hausleitungen, und dort hilft eine Kanne nicht zuverlässig.
Ist gefiltertes Wasser gesünder als Leitungswasser?
Belege dafür gibt es nicht. Der Ionenaustauscher einer Kannenkartusche entzieht dem Wasser Calcium und Magnesium und gibt dafür Wasserstoff-Ionen ab; die Stiftung Warentest beschreibt das Filtrat in Heft 7/2022 als weicher, saurer und mineralärmer. Hartes Wasser ist laut Umweltbundesamt nicht ungesund. Brita weist in der Bedienungsanleitung außerdem auf eine anfangs leicht erhöhte Kaliumabgabe hin, die Nierenkranke mit dem Arzt besprechen sollen.
Kann eine Brita-Kanne PFAS filtern?
Brita gibt für die Kartusche MAXTRA PRO PURE PERFORMANCE an, PFAS wie PFOS und PFOA zu reduzieren, getestet nach dem US-Standard NSF/ANSI 53. Ein Prüfbericht oder NSF-Listing ist auf der Produktseite nicht verlinkt, einen unabhängigen deutschen Labortest von Filterkannen auf PFAS haben wir nicht gefunden. Die Trinkwasserverordnung begrenzt die Summe von 20 PFAS seit dem 12.01.2026 auf 0,00010 mg/l; ob dein Wasser betroffen ist, klärt eine Anfrage beim Versorger.
Hilft ein Wasserfilter gegen Blei aus alten Rohren?
Nicht verlässlich. Das Umweltbundesamt hält Filter zur Bleientfernung für nicht sinnvoll. Wasser aus Bleileitungen ist laut UBA für Schwangere, Säuglinge und Kinder bis sechs Jahre immer ungeeignet, helfen kann nur der Austausch der Leitung. Bleirohre wurden bis etwa 1973 verbaut; nach § 17 der Trinkwasserverordnung mussten sie bis zum 12.01.2026 entfernt oder stillgelegt werden, mit Ausnahmen. Bei Verdacht schafft eine Laboranalyse Klarheit.
Ist Silber aus Filterkartuschen gesundheitsschädlich?
Eine akute Gefahr leitet keine der Behörden ab, offene Fragen bleiben. Der österreichische VKI fand bis zu 15 Mikrogramm Silber pro Liter im Filtrat, das sind 15 Prozent des provisorischen WHO-Referenzwerts von 0,1 mg/l; das Langzeitrisiko nennt der VKI ungewiss. Das BfR sah 2009 bei 0,08 mg/l keine gesundheitlichen Bedenken, verwies aber auf Silberanreicherung in Kleinhirn und Muskel von Mäusen bei 0,03 mg/l. Die WHO empfiehlt Silber nicht zur Wasserdesinfektion.
Darf ich gefiltertes Wasser für Babynahrung verwenden?
Nötig ist es nicht: Laut Verbraucherzentrale brauchen auch Kleinkinder kein gefiltertes Wasser. Wer trotzdem filtert, hält sich an die Herstellerhinweise. Brita empfiehlt für Babys und immungeschwächte Menschen, das Wasser erst zu filtern und dann abzukochen, BWT rät ebenfalls zum zusätzlichen Abkochen. Wo im Haus Bleileitungen liegen, ist das Wasser laut Umweltbundesamt für Säuglinge ungeeignet, und ein Filter ist dort laut UBA keine Lösung.
Filtert eine Wasserfilterkanne Mikroplastik?
Das behaupten einzelne Hersteller, unabhängig geprüft ist es nach unserer Recherche nicht. Laica gibt für seine MikroPLASTIK-STOP-Kanne über 99,5 Prozent Rückhalt für Partikel ab 0,1 Mikrometer an und nennt das Labor Wessling, verlinkt aber keinen Prüfbericht. Philips führt Mikroplastik in den Datenblättern ohne Laborangabe auf. Einen unabhängigen Test zum Mikroplastik-Rückhalt von Kannenkartuschen haben wir für Deutschland, Österreich und die Schweiz nicht gefunden.
Ab welcher Wasserhärte lohnt sich eine Filterkanne für Tee oder Kaffee?
Als hart gilt Wasser nach dem Wasch- und Reinigungsmittelgesetz ab 2,5 mmol Calciumcarbonat pro Liter, umgerechnet 14 °dH; mittel ist es ab 1,5 mmol/l oder 8,4 °dH. Liegt dein Wasser darunter, ist der Kalkeffekt einer Kanne gering, weil das Leitungswasser schon weich ist. Darüber kann sie Teewasser und Wasserkocher entlasten, solange die Kartusche frisch ist: Die Stiftung Warentest maß 2022 bei 16,5 °dH schon nach einem Viertel der Kapazität nur noch mittelhartes Filtrat.
Was kostet ein Liter gefiltertes Wasser?
Je nach Rechnung 2,7 bis 15 Cent. Die Stiftung Warentest kam 2022 nur für die Kartusche und mit der Kapazitätsangabe der Anbieter auf 2,7 bis 6,0 Cent. Bei 2 Litern am Tag begrenzt aber das Vier-Wochen-Intervall: Mit Brita-Kartuschen zum Abo-Preis vom 12.10.2026 ergeben sich rechnerisch rund 8 Cent, mit dem Sechserpack rund 14 Cent pro Liter. Leitungswasser kostet laut Umweltbundesamt etwa 0,2 Cent pro Liter.
Entfernt eine Filterkanne Nitrat?
Nein, darauf ist eine Kanne nicht ausgelegt. Der VKI schreibt ausdrücklich, dass Kannenfilter nicht vor Nitrat schützen, und Brita nennt Nitrat nicht unter den reduzierten Stoffen. Bei schlecht gewarteten Filtern können Bakterien Nitrat sogar zu Nitrit umwandeln, für das die Trinkwasserverordnung 0,50 mg/l erlaubt. Den Nitrat-Grenzwert von 50 mg/l hielten die großen Versorger 2022 in 99,97 Prozent der Untersuchungen ein.
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Quellen & weiterführende Lektüre
Diese Empfehlung beruht auf den folgenden öffentlich zugänglichen Quellen, die wir ausgewertet und gewichtet haben. Eigene Testergebnisse geben wir nicht wieder.
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- Wasserfilter im Test (test 7/2022): Startseite und Prüfmethodik · Stiftung Warentest · Abgerufen 2026-10-12
- Wasserfilter: Kein einziger ist empfehlenswert (Pressemitteilung 22.06.2022) · Stiftung Warentest · Abgerufen 2026-10-12
- Wasserfilter: Keiner ist empfehlenswert (Pressemitteilung zu test 5/2015) · Stiftung Warentest · Abgerufen 2026-10-12
- Trinkwasserqualität: Die letzten Meter zählen · Stiftung Warentest · Abgerufen 2026-10-12
- Wasser filtern: Wie sinnvoll sind Wasserfilter wie Brita & Co.? · ÖKO-TEST · Abgerufen 2026-10-12
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- Wasseraufbereitung – In Österreich weitgehend unnötig (KONSUMENT 10/2019) · KONSUMENT (VKI) · Abgerufen 2026-10-12
- Testtabelle Wasserfilter Tischgeräte (Preisstand Frühjahr 1999) · KONSUMENT (VKI) · Abgerufen 2026-10-12
- Filterwirkung nimmt rapide ab · K-Tipp · Abgerufen 2026-10-12
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